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Verfahren für die Stereo-Mikrofonie - AB Stereophonie
Autor: Gerd Jüngling - Copyright: Alle Rechte vorbehalten
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Damit haben wir nun ein Problem. Während bei 200 Hz der linke Kanal zwar um eine ganze Schwingung verzögert wird bleibt er trotzdem 'in Phase'. Addiert man den linken und rechten Kanal zu Mono, so erhöht sich die Lautstärke des 200 Hz Tons, der immer dann, wenn seine Schwingung im einen Kanal positiv ist, sie auch im anderen Kanal positiv ist. Bei der halben Frequenz, 100 Hz, hat sich die Situation grundlegend geändert. Hier wird das Signal nur um eine halbe Schwingung verzögert. Daher erscheint nun bei 100 Hz jeweils die positive Halbwelle Links, wenn Rechts die negative Halbwelle erscheint und umgekehrt.

Bei einer Monobildung wird der 100 Hz Ton nun komplett ausgelöscht. In der Praxis gibt es keine reinen Sinusschwingungen und auch nicht diese idealisierte Situation. Außerdem haben wir vorausgesetzt, dass das Signal in beiden Kanälen exakt den gleichen Pegel hat. Auch das ist in der Realität natürlich nicht gegeben. Durch Reflexionen im Raum entstehen weitere Unschärfen, die sowohl eine exakte Addition wie auch eine exakte Auslöschung verhindern. Trotzdem wird ein Signal mit einem relevanten Anteil bei 100 Hz bei diesem Mikrophonabstand bei der Monobildung gedämpft werden. Dies gilt auch für alle höheren Frequenzen, bei denen beim gewählten Mikrophonabstand die Phase um 180° gedreht im anderen Kanal erscheint.

Diese Beschreibung ist um verständlich zu bleiben vergröbert. Man muß nämlich einen Unterschied zwischen eingeschwungenen, also statischen Schwingungen und Transienten machen. Die Auslöschung eines statischen Signals erfolgt auch dann, wenn die Phasendrehung von 180° eine oder mehrere Perioden später erfolgt. Also tritt das Problem bei 180°, bei 540°, 900° und allen weiteren Phasenverschiebungen die um eine ganze Schwingung (360°) zusätzlich verschoben sind. Bei Transienten gibt es bei Audiosignalen in aller Regel keinen statischen Zustand, bei dem dieser Effekt relevant werden können. Ausnahmen bestätigen die Regel.

Zur Abhilfe kann man nicht viel tun. Ist das Kind einmal in den Brunnen gefallen und man stellt nach der Aufnahme fest, dass eine akzeptable Monowiedergabe nicht möglich ist, kann man kaum noch etwas reparieren, was nicht auch das Stereosignal beschädigen würde. Daher muss man sich dieses Problems immer wenn man Laufzeit Stereophonie benutzt bewusst sein und von Anfang an die Monokompatibilität ständig überprüfen. Wenn diese Tests nicht befriedigend ausfallen, kann man nur eine andere Mikrophonaufstellung wählen, die besser geeignet ist.

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