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Die Verwendung von Kompressoren zur Steigerung der Lautheit
Autor: Gerd Jüngling - Copyright: Alle Rechte vorbehalten
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Macht man ein paar praktische Versuche auf diesen Grundlagen, so stellt man fest, daß bei fast allen realen Kompressoren, der Regelbereich der Einschwingzeit zu klein ist, um Einschwingvorgänge ungeregelt passieren zu lassen. Auch Geräte renomierter Hersteller machen hier keine Ausnahme. Durch die Problematik der Verzerrungen kann man die Releasezeit nicht beliebig kurz machen. Pendelt man die Erholzeit auf einen Wert ein, bei dem das Pumpen gerade nicht mehr hörbar ist, kann man nur noch den Kompressionsgrad so weit verringern, das die Verzerrungen im Bassbereich nicht störend in Erscheinung treten. Probiert man ein Sortiment von einschlägigen Kompressoren durch, stellt man außerdem fest, dass die Skalierung der meisten Releaseregler nicht stimmen kann. Da man die Erholzeit des Gehörs sozusagen als 'Eichwert' benutzen kann solange sich der Kompressiosgrad nicht wesentlich ändert, werden Pumpeffekt im Bereich um die 0.3 Sekunden verschwinden, während gleichzeitig bei niedrigen Frequenzen eine wahrnehmbare Verzerrung beginnt. Dies ist bei vielen Geräten aber gerade erst beim Linksanschlag des Releasereglers der Fall. Die Skalen vieler Kompressoren behaupten jedoch, hier wäre eine Releasezeit von 0.1 Sekunden eingestellt. Da es keine normierten Messverfahren für die Releasezeit gibt kann sich jeder irgendetwas ausdenken, dass seine Skalierung passend werden läßt - nach dem Wahlspruch 'sage mir welchen Messwert du haben willst und ich wähle ein geeignetes Messverfahren'. Die Messung dieser Zeiten setzt sowieso einen ziemlich aufwendigen Gerätepark voraus; die Möglichkeit einer Nachprüfung ist also für den Anwender kaum gegeben. Die Vermutung liegt nahe das viele Hersteller, genervt durch Reklamationen über Verzerrungen bei ihren Geräten von mit der Problematik niederfrequenter Verzerrungen nicht vertrauten Anwendern, irgenwann eine 'ungefährliche' Releasezeit bei Linksanschlag gewählt haben.

Abhängig vom Bassanteil und den tatsächlich auftretenden Grundfrequenzen im Signal läuft die Einstellung auf eine mögliche Kompression im Bereich 4 bis vielleicht 8 dB bei günstigem Signal hinaus. Für die Erhöhung der Lautheit ist dies zu aber nicht befriedigend. Wir kommen so zwar in die Region der 'Plattmacher' Kompressor bei höherer Natürlichkeit, aber nicht nennenswert darüber hinaus.

Hier stellt sich die Frage, welche Möglichkeiten es gibt höhere Kompressionsraten zu erzielen. Wir haben uns viele Jahre lang immer wieder eingehend mit dieser Thematik beschäftigt, da jeder Summenkompressor eines Produktionsmischpultes logischerweise durch die oben beschriebene Problematik in seiner Effektivität begrenzt ist. Neben angemessen langen Stellbereichen für die Einschwingzeit und Releasezeiten, die auch in den 'Klirrgefärdeten Bereich' hinein verstellt werden können, haben wir im Laufe der Jahre alles mögliche ausprobiert und zum Teil wieder verworfen. Bestimmte Konstruktionsprinzipien, wie z. B. der 'optische' Kompressor, oder Röhrenkompressoren scheiden wegen der nicht vorhandenen Variabilität des Verhaltens bei diesen Betrachtungen aus. Diese Prinzipien liefern zwar in einem bestimmten Bereich etwas bessere Resultaten, sind aber in ihrer Charakteristk so festgelegt, dass das Programm eine typische Färbung erhält. Daher sind diese Prinzipien für die Erzeugung bestimmter Effekte gut zu brauchen, für die Kompression eines Summensignals bzw. für das Mastering aber weniger geeignet.

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