Pro Audio White Papers

Grenzen der digitalen Audiotechnik
Autor: Gerd Jüngling - Copyright: Alle Rechte vorbehalten
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erschienen als Artikel im 'Studio Magazin' unter Mitarbeit von Dieter Kahlen


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Was kann man tun?

Versuchen wir, aus den vorhergehenden, recht theoretischen Kapiteln so etwas wie ein Resümee zu ziehen: Wenn wir die beschriebenen Begleiterscheinungen einer ausschließlich im Rechner stattfindenden Signalverarbeitung konsequent eliminieren wollten, hieße das, den Rechner wie eine Mehrspurmaschine ausschließlich zum Zweck der Aufzeichnung einzusetzen, und zwar mit möglichst hoher Abtastrate und optimaler Ausnutzung der verfügbaren Systemdynamik. Das würde allerdings bedeuten, auf jegliche weitere Signalbearbeitung innerhalb des Digitalsystems vollständig zu verzichten und diese stattdessen in einem großen, externen Analogmischpult durchzuführen. Dies wäre die qualitativ beste Option, die allerdings gleichzeitig auch die höchsten Kosten verursacht - besonders dann, wenn man auch über Themen wie Automation und Recall/Reset nachdenken möchte. Diese Überlegungen enden zwangsläufig in einem Preisbereich, der selbst in guten Zeiten nur für die wenigsten Anwender wirtschaftlich darstellbar war.

Wenn man aus Gründen des Budgets nach anderen Lösungen sucht, kommen zwangsläufig Begriffe wie 'Pragmatismus' und 'Kompromiss' ins Spiel. Die deutlichste Verschlechterung der Signalqualität auf der digitalen Ebene findet zweifellos im Bereich der digitalen Filterung statt. Im Umkehrschluss wird also der möglichst konsequente Verzicht auf Digitalfilter ein hohes Maß an qualitativer Verbesserung mit sich bringen. An zweiter Stelle der klanglich relevanten Fehlerquellen rangiert die Mischung hoher Kanalzahlen innerhalb der Workstation, die aus diesem Grund ebenfalls so weit wie möglich vermieden werden sollte; Platz drei belegt der Bereich der Dynamikbearbeitung. Diese drei Faktoren führen uns zu einem Kompromiss, der in Abhängigkeit von den für diesen Zweck einsetzbaren finanziellen Mittel in etwa auf die folgende Arbeitsweise hinausläuft, um die Anzahl der analog zu mischenden Signale drastisch zu reduzieren:

Die wichtigsten Bestandteile der endgültigen Mischung wie Solostimmen, Soloinstrumente, Bass oder Bass Drum werden lediglich linear aufgezeichnet, ohne weitere digitale Signalbearbeitung als Einzelsignale wieder über D/A-Wandler ausgespielt und auf der Analogebene weiter bearbeitet und gemischt. Signale, die für das aktuelle Programm dagegen eher unwichtig oder unkritisch sind, etwa Hintergrundgeräusche, Flächen und andere mit geringem Pegel zugemischte Quellen, werden dagegen innerhalb des Digitalsystems zu einem Stereo- oder Surround-Signal vorgemischt und falls erforderlich auch innerhalb der Workstation bearbeitet.

Es kann sinnvoll sein, solche weniger wichtigen Signale bereits bei der Aufnahme mit einer Höhenanhebung zu versehen, damit man später innerhalb der Workstation nicht mehr in die Verlegenheit kommt, zusätzlich Höhen hinzufügen zu müssen. Das komplementäre Absenken der zuvor angehobenen Höhen ist, wie wir schon gesehen haben, innerhalb der Digitalebene weitaus weniger kritisch. Diese Vorentzerrung wird schon seit Edison bei praktisch jeder Art der analogen Audioaufzeichnung praktiziert und ist aufgrund der bekannten Amplitudenstatistik in Maßen auch in der Digitaltechnik ohne Konsequenzen für die Dynamik einsetzbar. Wie viele analoge Kanäle, Entzerrer und Dynamikmodule man für eine solche Arbeitsweise letztendlich benötigt, hängt natürlich von der Art der Musik, von der individuell gezogenen 'Qualitätsgrenze' zwischen analog und digital zu bearbeitenden Signalen sowie von den verfügbaren finanziellen Mitteln ab. Letztendlich handelt es sich aber hier um das einzige pragmatische Verfahren, um eine Verbesserung zu erzielen - wenn man um die Investition eines großen Analogpults herumkommen möchte, muss man die Wichtigkeit der einzelnen Spuren zwangsläufig subjektiv bewerten und gleichzeitig gewissen Einschränkungen hinsichtlich der Automatisierbarkeit der analogen Signalwege hinnehmen.

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