Pro Audio White Papers

Grenzen der digitalen Audiotechnik
Autor: Gerd Jüngling - Copyright: Alle Rechte vorbehalten
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erschienen als Artikel im 'Studio Magazin' unter Mitarbeit von Dieter Kahlen


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Lösungsvorschläge

Auf der Suche nach geeigneten Hardware-Lösungen, die den beschriebenen Anforderungen entsprechen und gleichzeitig wirtschaftlich darstellbar bleiben, wird man schnell feststellen, dass die Auswahl passender Analoggeräte heute nicht allzu groß ist. Die Investition in ein gebrauchtes, großes Analogpult ist oft problematisch, da das ursprünglich vielleicht einmal vorhandene Qualitätsniveau oft durch verschiedenste Alterungserscheinungen gelitten hat. Der Kauf eines neuen, kleinen Mischpults erzeugt hohe Grundkosten, da bei konventionellen Pultsystemen ein hoher Kostenanteil von Rahmen, Stromversorgung und andere grundlegenden Komponenten verbraucht wird, bevor der erste Eingangskanal gekauft werden kann. Andererseits sind kleine Mischpulte mit wenigen Kanälen in aller Regel qualitativ minderwertig und machen von daher ebenfalls wenig Sinn. Ein goldener Mittelweg ist schwer zu finden.

Letztendlich läuft das beschriebene Arbeitsverfahren auf ein variables System hinaus, das die Möglichkeit bietet, sich individuellen Einsatzbedingungen jetzt ebenso wie in Zukunft anzupassen. Diese Überlegung führt fast zwangsläufig zu einem Baukastensystem, das es dem Anwender ermöglicht, eine möglichst geeignete Konfiguration für seine individuelle Arbeitsweise zusammen zu stellen. Gleichzeitig ergibt sich aus einem solchen System natürlich auch die Möglichkeit, durch Hinzufügen von Mikrofonvorverstärkern auch die Aufnahmeseite abzudecken. Auch im Produktionsalltag wichtige Zusatzfunktionen wie Abhöranwahl, Talkback oder Cue-Sends lassen sich auf diese Weise realisieren, wenn dies die Flexibilität des Systems erlaubt.

Bei adt-audio haben die beschriebenen Überlegungen zur Entwicklung der Integrator-Serie geführt. Verschiedene Einzelkomponenten in der Tradition der klassischen Kassettentechnik können hier zu verschiedensten sinnvollen Konfigurationen zusammengeführt werden. Existierende Systeme lassen sich mit überschaubaren Investitionen später jederzeit um einzelne Kassetten erweitern; ebenso können vorhandene Geräte bei sich ändernden Anforderungen jederzeit neu angeordnet werden. Auch die angesprochenen Zusatzfunktionen wie Abhörsteuerung oder Talkback sind realisierbar. Auf der anderen Seite verursacht die einem solchen System innewohnende Flexibilität natürlich auch gewisse Grundkosten, beispielsweise für Gehäuse und Steckverbindungen, und muss damit zwangsläufig teurer sein als ein starres System in vergleichbarer Konfiguration. Bei adt-audio hat dies dazu geführt, parallel zum genannten variablen Kassettensystem das fest konfiguriertes 'Toolkit'-System zu entwickeln, das aus Kanalzug-ähnlichen Komponenten im 19"/1HE-Format mit umfangreichen Bearbeitungsmöglichkeiten sowie gesonderten Mischeinheiten besteht. Die einzelnen Toolkit-Geräte lassen sich wahlweise autark oder in Verbindung mit einem Summenmodul zu beliebig großen Kanalkonfigurationen ausbauen.

Zum Schluss

Wie die persönliche Lebenserfahrung des Autors zeigt, funktionieren Konzepte, deren Bezeichnungen auf -ismus enden, in der Realität eher nicht - einzige Ausnahme ist der Pragmatismus. Um in unserem Fachgebiet zu bleiben: Weder der 'Analogismus' noch der 'Digitalismus' wird in der Audiotechnik als reine Lehre funktionieren; gefragt ist vielmehr die Fähigkeit, mit den verfügbaren Werkzeugen die bestmöglichen Ergebnisse zu realisieren und die dabei auftretenden Probleme weniger durch radikale als vielmehr durch pragmatische Lösungen und Kompromisse zu umgehen. Das Ziel muss es dabei sein, mit überschaubarem Aufwand eine möglichst deutliche Verbesserung herbeizuführen. Natürlich existiert kein Messverfahren, das den Grad der dabei erzielten Verbesserung ermitteln könnte - es steht allerdings außer Zweifel, dass auf dem beschriebenen Weg echte Verbesserungen erreicht werden. Der Beweis dafür wird jeden Tag erbracht.

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