Testberichte über Pro Audio Geräte
und Mischpulte

Modulsystem adt-audio V700
Testbericht der Zeitschrift Studio Magazin

die PDF-Version dieses Tests finden Sie hier:
V700 Testbericht aus der Zeitschrift Studio Magazin
TestV700De.pdf - 2.3 MB oder: TestV700De.zip - 2.2 MB

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Hören und Praxis

Das gesamte System vermittelte im Test einen ausgesprochen soliden Qualitätseindruck, der sich auch, aber nicht nur im hohen Gewicht unseres voll bestückten Test-Rahmens äußerte - schon der Transport zwischen Messplatz, Fotosession und Studio innerhalb unserer Verlagsräume erwies sich als echter Kraftakt. Die Konstruktion der einzelnen Module mit Edelstahlgehäuse, massiven gefrästen Frontplatten und darin eingelegten Beschriftungsblenden wirkt ausgesprochen wertig. Es ist angesichts der hohen Dichte an Bedienungselementen für den Hersteller sicher nicht ganz einfach, einen guten Mittelweg zwischen Ablesbarkeit der Skalierungen und optischem Gesamteindruck zu finden - adt-audio bietet seinen V700-Kunden deshalb die Möglichkeit, aus einer Vielzahl unterschiedlicher Farbgebungen für die eloxierten Frontblenden wählen zu können, die sich auch später noch ohne hohen Aufwand austauschen lassen. Die Qualität der verwendeten Taster, Drehregler und -schalter sowie der Anschlusstechnik ist ebenfalls über jeden Zweifel erhaben, und auch ein Blick ins Innere bestätigte die schon eingangs erwähnte 'Rücksichtslosigkeit' des Herstellers hinsichtlich der Kosten für die verwendeten Komponenten und den Fertigungsaufwand.

Aus dem breiten Angebot der in unseren V700-Testrahmen eingebauten Kassetten haben wir uns zunächst ausgiebiger mit den drei Stereogeräten beschäftigt, die in erster Linie in die Domäne der Mastering-Studios fallen: dem Stereo-Kompressor/Begrenzer/Expander U796, dem Richtungsmischer/EQ W731 und dem Stereo-Mastering-Equalizer W796. Als Ausgangsmaterial verwendeten wir eine zu diesem Zweck in Nuendo angefertigte Mischung mit bestimmten Eigenschaften, um die Reaktion der einzelnen Geräte besser bewerten zu können.

Richten wir Mastering Dynamicsunser Augenmerk zunächst auf die Mastering-Dynamics, die durch eine Fülle von Funktionen auch Eingriffe in Bereiche gestatten, die man selten in Geräten dieses Genres vorfinden kann. Allen Kommentaren vorangestellt sei die Bemerkung, dass man genau wissen muss, was man tut, um mit diesem Kompressor zu einem verwertbaren Ergebnis zu kommen, denn von Automatik ist hier weit und breit keine Spur, und das auch noch absichtlich. Umso bestechender sind aber für die 'Sehenden' unserer Gilde die Chancen, ein außergewöhnliches Ergebnis zu erzielen. Mit dem Kompressor lassen sich erstaunliche Lautheitsgewinne bei gleichzeitiger Konservierung der Transientenstruktur erzielen. Regler wie 'Crest-Faktor', also die Beeinflussung der Reaktion des Detektors auf Transienten, 'Envelope', die Reaktion des Detektors auf tiefe Frequenzen und 'Integration', die Überlagerung des Regelverhaltens mit einer Langzeitkomponente, lassen einen hohen Kompressionshub von leicht 10 dB zu, ohne hörbare Regelstörungen oder Klirrkomponenten.

Dabei arbeitet das Gerät auf der Frequenzebene völlig neutral, und selbst der schnelle Limiter, der am Ende der Signalkette sitzt, fängt Signalspitzen ohne erkennbaren Höhenverlust ab. Der große Stellbereich für 'Knee', die Form der Kennlinie in ihrem Knick, ermöglicht recht harte hörbare Regelvorgänge ebenso wie ein weiches Ausregeln. Eine Besonderheit ist in der Praxis die Funktion 'Fill', mit der Signalanteile des unbearbeiteten Programms am Ausgang zugemischt werden können. Dies hat in der Praxis den Vorteil, dass eine eingestellte Überkompression mit hörbaren Regelvorgängen durch Zumischung des Originals auf raffinierte Weise kompensiert werden kann. Interessante Ergebnisse erzielt man mit brutalen Kompressoreinstellungen und entsprechend hoher Zumischung des Originals. Man erreicht dadurch eine besondere Dichte und verliert trotzdem keine Transienten. In der Praxis auffällig war auch der gute Abgleich der Autogain-Funktion, die einen hohen Grad an Vergleichbarkeit mit dem Original ermöglicht. Erst wenn man eine Spezialfunktion wie 'Envelope' einsetzt, muss man eventuell etwas nachregeln. Nicht ganz so praxisgerecht fanden wir die Tatsache, dass der Gain-Regler noch vor dem Limiter angebracht ist. Denn beim manuellen Aufholen von Ausgangspegel fährt man in den Begrenzer-Arbeitspunkt hinein, oder bei zu viel Pegel im Zurückregeln eben auch heraus, und muss anschließend den Begrenzer-Arbeitspunkt neu bestimmen. Da die meisten Mastering-Studios einen Limiter als gestalterisches Mittel betrachten, wäre es besser, den Limiter vor den Gain-Regler zu setzen. Nach Rücksprache mit dem Hersteller ist eine solche abweichende Anordnung auch kein Problem, wenn der Kunde entsprechende Wünsche äußert. Zudem ist als Option ein separates Fader-Modul lieferbar, dessen Schieberegler diese Aufgabe ebenfalls übernehmen kann.

Der Regler 'Integration' ermöglicht eine Überlagerung der Rückstellzeit mit einer Langzeitkomponente in Form eines Kondensators. Auf diese Weise entsteht eine Art 'Auto-Release'-Funktion, die allerdings auf Veränderungen der Einstellung sehr träge reagiert. Ungeduldige Anwender wie wir drehen diesen Regler einmal kurz nach links, um den Kondensator schnell zu entladen und einen neuen Einstellwert zu finden, der sich dann allmählich stabilisiert. Die Funktion als solche ist bei einem mittleren Einstellwert (12 Uhr) fast immer sinnvoll. Spaß macht der U796 natürlich auch als Bus-Kompressor, etwa für Schlagzeug, Chor oder andere Instrumenten-Audiogruppen. Von brutalem Niedermachen der Dynamik bis zu langsamen Regelvorgängen in Leveler-Manier ist alles möglich. Das Gerät besticht durch seinen neutralen Klang und seine ungeheuere Vielseitigkeit. Eigentlich ein Muss für jedes Mastering-Studio.

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